Basisfakten zu der Route Nr.: 262
...eingetragen durch: MotörMic

Region:   Mieminger Kette
Tour:   Hochtour
Gipfel / Ziel:   Östliche Griesspitze
Höhe:   2751 m
Ausgangspunkt:   Ehrwald
Endpunkt:   dito
Datum:   21.08.1994
Personenanzahl:  1


Hütten-Info:

Stützpunkt:   Coburger Hütte Höhe:   1911 m
Type:  

Bewirtete Hütte
Beschreibung:
(offen, nur mit Schlüssel, Zustand, Belegung usw.)
voll...



Die Route mit eigenen Worten:

Für die Richtigkeit der Angaben bzw. für Unfälle aufgrund fehlerhafter Beschreibungen kann keine Haftung übernommen werden!

Routen-
Beschreibung:

Nordsüdüberschreitung Östliche & Westliche Griesspitze. II.

Ist schon länger her & reichlich viel Prosa.
Es gibt aber ansonsten kaum Infos über die Griesspitzen. Deshalb der folgende Roman :-)

Der Name allein schon: kann man an einem Berg, der so heißt, was erleben? Kann eine Tour auf diesen Gipfel über die Nordflanke, von der der AV-Führer „II, extrem brüchig, nicht anzuraten“ angibt,
ein irgendwie anzustrebendes Ziel sein?
Du hast diese Tour schon seit Jahren vor: von Norden auf die Östliche Griesspitze, Übergang zur Westlichen und Abstieg nach Süden. Von dem heißt es im AV-Führer übrigens „schwer zu finden“... Was Du bestätigen kannst!
Die Nacht in der Coburger Hütte hast Du freiwillig im Gastraum verbracht, denn das Schnarchkonzert im vollen, stickigen Lager wäre die Alternative gewesen. Morgens ausgiebiges Frühstück vor der Hütte, noch steckt die Müdigkeit der schlafarmen Nacht im Körper. So erst einmal in gemächlichem Tempo zum Fuß der Nordflanke der Östlichen Griesspitze. Sieht steiler aus als gedacht. Über Schutt sehr mühsam an die Felsen, etwas hinauf, aber irgendwie ist Dir das hier zu steil und zu schwierig, also wieder hinab. Hm, was nun? Es weiter östlich versuchen, um einen Vorsprung herum, wieder Einstieg in die Nordflanke. Hier geht’s besser. Glatte Felsen, Geröll, viel Schutt. An dieses Gelände mußt Du Dich erst einmal gewöhnen! Gut, daß Du gestern schon am Grünstein nebenan unterwegs warst und dieser splittrige Mieminger Kalk nicht ganz neu ist für Dich. Ansonsten: eindrucksvolle Szenerie! Jedenfalls für einen Normalbergsteiger wie Dich. Mit der Übersicht hapert es ein bißchen; Du kannst nicht einschätzen, ob es dort, wo es zunächst leidlich hinaufgeht, auch weiter oben mit ähnlichen Schwierigkeiten weitergeht. Also, jetzt erst einmal schauen, wie weit Du hier kommst, wenn die Schwierigkeiten zu groß werden, kannst Du immer noch umkehren!
Schöner Sommertag an sich, Du bekommst davon aber erst einmal wenig mit; hier in der Nordflanke ist noch Schatten und du bist voll konzentriert auf die Kletterei, auf das Weiterkommen. Eine Rinne, Du löst polternden Steinschlag aus. Dann stutzt Du: was flattert denn da? Es ist ein kaputter Luftballon mit einer Karte dran, gestern im 200km entfernten Waldshut von einem Jungen in den Himmel gelassen, heute von Dir in dieser riesigen Flanke gefunden: was für ein grandioser Zufall!
Stück für Stück geht’s weiter hinauf. Du entwickelst ein Gefühl für dieses Gelände, für das Setzen der Füße, Gespür für den günstigsten Weg. Weiter oben legt sich die Flanke etwas zurück, weitet sich der Blick. Kein Zweifel mehr: da wirst Du durchkommen! Überraschend schnell bist Du dann am Gipfelgrat und in der Sonne! Na also! Erst einmal Pause mit Blick nach Süden. Beim Blick zurück in die Nordflanke wunderst Du Dich dann, wie steil das jetzt von oben auf einmal aussieht: da möchtest Du nun selbst mit Kenntnis des Weges nicht unbedingt hinab!
Über den Grat schön hinüber zur nahen Östlichen Griesspitze. Pause am unberührt wirkenden Gipfel, den nur ein kleiner Steinmann ziert. Das Gipfelbuch: staunend betrachtest Du die ersten Seiten dieses Buches, die aus den Dreißiger Jahren sind! Toll! Seit vollen 60 Jahren liegt dieses Buch hier oben! In jedem Jahr eine Handvoll Eintragungen, in manchem Jahr gar keine und Du bist in diesem Jahr auch erst der 2. Besteiger! Andächtig und respektvoll trägst Du Dich ein.
Über den Grat nett und schön hinüber zur Westlichen Griesspitze, die ein ramponiertes Gipfelkreuz trägt. Hier am Zwillingsgipfel der Östlichen Griesspitze das zugehörige Zwillingsgipfelbuch: fasziniert fotografierst Du einige Seiten mit Eintragungen von 1934ff! Hier oben hat sich seitdem nichts geändert, in den Tälern dagegen...
Ein Bier zur Gipfelrast. Die große Entspannung stellt sich noch nicht ein, denn es wartet der unbekannte Abstieg durch die eher unübersichtliche Südflanke.
Zunächst einfach hinab, durch eine Schuttrinne, was sonst, später sogar verblaßte Markierungen, na prima, dann wird es ja doch leicht!
Den sparsamen Markierungen folgend, bis Du keine weiteren mehr entdeckst. Laut Führertext müßte es hier nun irgendwo in eine Rinne hinab gehen. Du schaust und schaust, aber das Gelände unterhalb sieht einfach zu wüst aus. Es woanders versuchen! Aber nirgendwo entdeckst Du eine gangbare Rinne. Den ganzen Weg nun wieder hinauf, hinüber zur Östlichen und über die Nordflanke wieder hinab? In dieser Rinne dort könnte es vielleicht doch gehen! Ausgewaschene Felsen, rechte Begrenzung haushohe mauerglatte Wände, gewaltige Szenerie! Vorsichtig hinab: geht doch! Aber schon bald kommt ein erster Abbruch: vorsichtig heran: au weia: 20 Meter geht es da senkrecht runter, keine Umgehung möglich, da kommst Du nie runter! Schnell wieder hinauf! Wenn in dieser engen Rinne Steinschlag kommt... Aufatmend wieder am Einstieg. Scheiße, was nun? Und während Du noch das Gelände sondierst, ob sich vielleicht woanders eine Abstiegsmöglichkeit ergibt, siehst Du, wie 2 Bergsteiger auf eben Deinem Weg abgestiegen kommen! Yeah, Du willst einen Besen fressen, wenn die nicht die Abstiegsroute kennen! Es sind 2 Jungs aus Barwies in deinem Alter, die hier irgendwo klettern waren, wo genau hast Du nicht so genau verstanden, aber egal, sie kennen jedenfalls den Abstiegsweg! Und es ist beschämend einfach! Denn es geht keinesfalls in eine dieser Rinnen, auf die du so fixiert warst, sondern um einen Felsvorsprung herum und nun siehst Du auch an dieser Stelle die Markierung, die dir vorher ums Verrecken nicht auffallen wollte! Die Querung zieht sich länger als gedacht, hier ist es wirklich ein gewaltiger Vorteil, wenn man die Route vom Aufstieg kennt! Einmal eine kurze Steilwand hinab mit Hilfe einer Reepschnur, die Du, wo sie schon einmal da hängt, auch nicht verschmähst. Die abschließende Steilrinne ist dann vergleichsweise harmlos: mit Schaudern denkst du daran, in was für einen Höllenschlund du dagegen weiter oben eingestiegen bist! Dann seid ihr am Einstieg, wo mit roter Farbe auf die Felsen gemalt ist: Zur Westlichen Griesspitze“. Abschied von den beiden, sie steigen ab nach Barwies und Dir ist bewußt, was für ein Glück du hattest, daß die beiden an dieser so stillen Westlichen Griesspitze absolut im richtigen Moment auftauchten! Wie zwei Engel…Wer weiß, was dir dadurch erspart geblieben ist: der Wiederaufstieg zur Östlichen Griesspitze und Abstieg über die Nordflanke oder über den (ebenso unbekannten) Schneeferner nach Süden.
Voller Euphorie über die glücklich ausgegangene Tour hinauf in der Nachmittagshitze zum Stöttl-Törl und jenseits hinab zur Coburger Hütte, wo du gleich 2 Weizenbiere auf einmal orderst.... Aaahh, jetzt hier so in der Nachmittagssonne vor der Coburger Hütte zu sitzen, die Griesspitzen betrachten, die Tour war erfolgreich, das Bier schmeckt gut wie nie: meine Fresse, was kann das Leben schön sein!! Abstieg über den Hohen Gang nach Ehrwald, mittlerweile macht sich nun doch Müdigkeit in den Beinen bemerkbar. Schöner, warmer Sommerabend und es ist fein, so müde, so kaputt, so zufrieden in Ehrwald anzukommen. Hier sitzen die Leute noch in den Cafes und Gasthäusern, dazu hättest Du jetzt auch Lust, aber dein Zug fährt bald und morgen mußt du leider wieder arbeiten. 13 Stunden nach Aufbruch heute morgen am Bahnhof: geschafft!!
Die Mieminger im Abendlicht....
10 Minuten später kommt Dein Zug...


Verhältnisse
am Tag der Tour:
(Wetter, Temperatur, Schneehöhe...)

z.T schwierige Orientierung! Beim Abstieg von der Westlichen Griesspitze gilt das Prinzip: im Zweifelsfall weiterqueren...!
Ansonsten ungemein eindrucksvolle Tour!

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