Basisfakten zu der Route Nr.: 248
...eingetragen durch: MotörMic

Region:   Mieminger Kette
Tour:   Hochtour
Gipfel / Ziel:   Hochplattig
Höhe:   2768 m
Ausgangspunkt:   Ehrwald
Endpunkt:   Alplhaus
Datum:   08.08.1997
Personenanzahl:  1


Hütten-Info:

Stützpunkt:   Breitenkopfhütte Höhe:   2020 m
Type:  

SV-Hütte
Beschreibung:
(offen, nur mit Schlüssel, Zustand, Belegung usw.)
nett & klein.



Die Route mit eigenen Worten:

Für die Richtigkeit der Angaben bzw. für Unfälle aufgrund fehlerhafter Beschreibungen kann keine Haftung übernommen werden!

Routen-
Beschreibung:

Nord-Südüberschreitung; II
Der Hochplattig in den Mieminger Bergen hat eigentlich alles, was ein Alpengipfel zum Beliebtsein braucht: er ist der Höchste seiner Gebirgsgruppe, er liegt zentral zwischen Wettersteingebirge im Norden und Inntal im Süden und die Ausgangspunkte für seine Besteigung sind verkehrstechnisch bestens erreichbar. Und der Führer über die ”Mieminger Berge” preist ihn als ”einfach erreichbaren Aussichtsberg”. Wenn dann also an einem Wochenende im August bei stabilem Sommerwetter der Bergsteiger eine Besteigung plant, geht er davon aus, an diesem Gipfel nicht gerade alleine unterwegs zu sein. Und doch ist Einsamkeit an diesem Berg die Regel......

Um 5 Uhr aufstehen. Ein paar Schluck Wasser vor der Hütte. Kopfschmerzen, Müdigkeit. Viel Lust hast Du wenig. Ein paar mühsame Schritte bergan. Erst noch ein Nickerchen auf einem Moospolster. Der gestrige Hüttenabend war wirklich nicht leistungsfördernd. Dann über Geröll und Geschröf müde und mühsam zum Gipfel des Breitenkopfs. Schauen und Ausruhen. Die Nordflanke des Hochplattigs gut zu überblicken; sollte machbar sein! Also hinüber! Jetzt endlich erwachen die Lebensgeister!
Der direkte Gratübergang erscheint Dir zu schwierig, deshalb Abstieg ins oberste Kar und wieder hinan gegen die breite, plattige Rinne, die von der Scharte zwischen Breitenkopf und Hochplattig herabgezogen kommt. In ihr leicht empor. Dicke, alte, rostige Drahtseile in ihrem Grund, wohl noch aus der Zeit, als der Hochplattig-Anstieg von Norden häufiger durchgeführt wurde und kein Führertext ihn als ”brüchig, nicht anzuraten” verunglimpfte. Der Weg durch die Nordflanke ergibt sich von selbst; den Nordgrat als Richtung beibehaltend geht’s westlich davon aufwärts. Gut, es gibt Geröll und Schutt und splittriges Geschröf, es ist aber auch fein, hier in dieser Abgeschiedenheit durch diese Felsflanke hinaufzusteigen. Und schwierig ist es wirklich nicht. Das Kreuz vom Westgipfel schon lange sichtbar.
Dann am Gipfelgrat. Hinüber zum Hauptgipfel. Typischer Mieminger Splitterkalk. An den Du Dich mittlerweile gewöhnt hast! Der Gipfel die zweite von zwei fast gleichhohen Graterhebungen. Nur ein kleiner Steinmann am höchsten Punkt der Mieminger Berge. Lange Gipfelrast. Feine Aussicht in der Tat. Toll der Blick ins Gaistal. Überraschung beim Blick ins Gipfelbuch: erst 3 Besteigungen (bzw. Eintragungen) in diesem Jahr. Also ist es nicht nur heute so schön einsam hier.
Weiter über den Grat zum Ostgipfel und über Geschröf und später Gras nach Süden hinab. Eine kleine Stange markiert den Einstieg in die Abstiegsrinne. Wieder alte, verrostete Drahtseilsicherungen, fast vollständig zerstört und unbrauchbar. Kein Wunder bei dem Steinschlag, den die Begehung dieser engen, steilen Rinne sofort und kaum vermeidbar auslöst! Hier darf man wirklich nur allein unterwegs sein! Konzentration und Beeilung, um aus diesem Schlund schnell herauszukommen. Ein Klemmblock fordert schon etwas mehr Kletterkönnen als das im Führer verlangte, das für diesen Anstiegsweg bei I liegen soll. Vielleicht mit intakten Drahtseilen, aber die gibt es offensichtlich schon lange nicht mehr. Was soll’s, Du kommst hinab und erreichst die Scharte vor dem markanten Felsturm des Judenzahns und denkst, daß die Schwierigkeiten nun hinter Dir liegen. Doch gefehlt, die nun folgende, anfangs breite Rinne verengt sich zusehends und wird plattig und schwieriger und mehr liegend rutschend als kletternd ereichst Du endlich die oberste Schutthalde des Kares. Möglich, daß es nebenan leichter hinab gegangen wäre, aber wie soll man das wissen, wenn man den Weg nicht schon vom Aufstieg her kennt? Markierungen gibt’s hier ja keine... Nun aber entspannt hinab zu den Grasflecken am Bach und Rast in der Sonne. Herrliches Gefühl: die Überschreitung des Hochplattigs jetzt geschafft zu haben. Und Du weißt, daß Du mehr geschafft hast, als Du vor der Tour geahnt hättest. 12 Stunden nach Aufbruch heute morgen begegnest Du am Alphaus wieder Menschen.. .Weizenbier und Schweinebraten. Ehrlich verdient. Als die Tagesgäste gegangen sind, wird es ruhig um die Hütte; erstaunlicherweise an diesem Schönwettersamstag nur noch 2 weitere Übernachtungsgäste. Du magst die Mieminger Berge...!


Verhältnisse
am Tag der Tour:
(Wetter, Temperatur, Schneehöhe...)

Fazit I: traue keinem Führer bzw. sei skeptisch und vorsichtig. Der Nordanstieg auf den Hochplattig ist durchaus empfehlenswert, die Schwierigkeitbewertung II ist o.k. Nicht empfehlenswert, ja eher abzuraten ist dagegen der angeblich unschwierige Südanstieg vom Alplhaus durch die üble Steinschlagrinne, die sicherlich schwieriger ist als die Nordflanke und vor allem wesentlich unangenehmer. Wer diesen Abstiegsweg eingeplant hat und nach einem anderen Aufstiegsweg hier mit einem lockeren, wie im Führer versprochenen ”unschwierigen” (I) Abstieg rechnet, könnte durchaus in Schwierigkeiten kommen, weil hier die tatsächlichen Anforderungen deutlich über den eingeplanten liegen! Nur bei neuen, intakten Drahtseilen ist es hier unschwierig!
Fazit II: der Hochplattig wird weiterhin einsam bleiben! Wer aber einmal oben war, wird ihn als tollen Gipfel in Erinnerung behalten!


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